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Mozartvesper als Höhepunkt

Großes Chor- und Orchesterkonzert in der Paulskirche Kirchheimbolanden

Von Reiner Henn

1 5 2022Das Wesen und Wirken der Bezirkskantorei Kirchheimbolanden-Winnweiler hat sich gesellschafts- und coronabedingt in den letzten Jahren verändert. Am Sonntag knüpfte das Chor- und Orchesterkonzert in der Paulskirche Kirchheimbolanden künstlerisch jedoch an Glanzzeiten an.

Bezirkskantor Martin Reitzig hatte bei der Auswahl von Kompositionen und Mitwirkenden eine glückliche Hand, fand programmatisch eine ideale Balance zwischen Vokal- und Instrumentalmusik, zwischen hohem Anspruch und realistischen Möglichkeiten.

Zunächst erklang Dvoraks Bläserserenade der das Konzert mitgestalteten LUfoniker unter Leitung von Robert Weis-Banaszczy. Instrumentiert war das Orchester hier nach dem Muster der Gran Partita Mozarts. Sechs Holzbläser und vier Blechbläser hielten sich klanglich die Waage, als Stütze fungierte statt des bei Mozart üblichen Kontrabasses ein Violoncello. Es entwickelte sich ein munteres, gediegenes Musizieren, das von nobler Ton - und Spielkultur, von präzisen rhythmischen Abläufen und genauem Zusammenspiel geprägt war. Allerdings stellten sich die Ausführenden (noch) nicht auf die Problematik einer hallenden Akustik ein. Eine verhaltenere Dynamik und gemäßigtere Tempi hätten die Wirkung dieser sonst stil- und werkgerechten Aufführung einer nachklassischen Harmoniemusik noch gesteigert.

Ein starker SopranUneingeschränktes Lob verdient sich die Sopran-Solistin Lena Maria Kosack: Einmal als kurzfristige Einspringerin bei Mozarts Motette „Exultate Jubilate“ und durch ihre wohltuend auf Raum, Stilistik und Orchester abgestimmte Vortragsweise. Sie gestaltete souverän aus kontemplativer Haltung und „steckte“ sogar das Orchester zu einer zunehmend feinsinnigeren Spielweise an: So erklang Jubelklang im Eröffnungssatz, mystische Versenkung im zweiten Satz des Rezitativs und Aufbruchstimmung im Alleluja als berauschendes Finale. Stets gefielen die Leichtigkeit und Sicherheit iher Stimmführung und die Lockerheit der Stimmgebung.

Noch heikler als Serenade und Motette ist das Dirigat eines klanglichen Dreigestirns aus Chor, Orchester und Vokal-Solisten: eindrucksvoll zu erleben bei Mozarts „Vesper solennes de confessore“: festliche Musik zum Abendgottesdienst bestehend aus Gegen- oder Wechselgesang zwischen Chor und Solisten und Psalmvertonungen mit monumentalen Charakter.

Martin Reitzig führte die Vesper KV 339 zu einem Glanzlicht des Konzertes: Er hielt das klangliche Dreigestirn sicher zusammen, fand aufgrund seiner räumlichen Kenntnis die adäquaten Tempi und Klangverhältnisse und hatte auch den Konzertchor der Kantorei Kirchheimbolanden-Winnweiler auf eine klangliche Homogenität und Expressivität bei sehr sicheren Einsätzen und nahtlos fließenden Abläufen eingeschworen. Das sinfonisch besetzte Orchester musizierte hier am Überzeugendsten, beim Solistenquartett ragte Lena Maria Kosack einmal mehr heraus. Simon Pepping-Sattelberger (Alt) sowie der Tenor Thomas Jakobs und Harald Kronibus (Bass-Bariton) fügten sich stimmlich und intonatorisch ebenfalls nahtlos in die grandiose Aufführung ein.

Weniger Sänger aktivDie Kirchenmusikarbeit hat sich in Kirchheimbolanden mittlerweile verändert, berichtete Bezirkskantor Martin Reitzig im Anschluss auf Anfrage: „In Glanzzeiten hatte ich bis zu 50 Vokalisten, jetzt noch etwa 30.“ Dies sei auch eine Folge der Pandemie. Die Mitwirkenden seien zwischen 45 und 85 Jahre alt. „Parallel hat das Publikum für solche großen Kirchenkonzerte abgenommen, und zusätzlich verschlechtern sich die Finanzlagen quasi von Jahr zu Jahr“, führt der seit 1988 an der Paulskirche tätige Reitzig weiter aus.

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